IPA > Abfallsteckbrief > 1601 Altfahrzeuge, Stand 18.03.2016

Schadstoffe und gefährliche Eigenschaften

 

 

Schadstoffe

Schwermetalle

Relevant ist nur Quecksilber, das außerhab der EU bis ca. 1995 in Kipp- und Mikroschaltern verwendet wurde, z. B. Innenraumbeleuchtung und Air-Bags, und gegenwärtig in Leuchtmitteln, z. B. Hochdruck (HID-Lampen) vorkommt. Letztere können ggf. auch dem AS 200121* zugeordnet werden und sind als gewässergefährdend einzustufen.

Bei den anderen Abfällen der Gruppe 1601 sind Gefährdungen aufgrund von Schwermetallen in der Regel nicht gegeben.

Organische Schadstoffe

Mineralöl ist in Ölfiltern 160107* enthalten, angereichert mit Zersetzungsprodukten, Metallabrieb und Schmutzpartikeln. Ölfilter sind als gewässergefährdend einzustufen.

Mineralöl kann zudem als Inhaltsstoff oder Verschmutzung bei Ausbauteilen eine Rolle spielen, z. B. Motoren, Getriebe, Achsen etc. Diese Abfälle sind - sofern sie ordnungsgemäß entleert wurden - in der Regel nicht als gefährliche Abfälle einzustufen, erfordern jedoch bestimmte Vorkehrungen bei der Lagerung und dem Transport, um eine Verschmutzung des Untergrunds zu vermeiden.

Bremsflüssigkeiten 160113* bestehen überwiegend aus Polyglycolen mit gebrauchsverbessernden Additiven. Die für Bremsflüssigkeiten verwendeten Stoffe sind als gewässergefährdend und zum Teil als reizend oder gesundheitsschädlich eingestuft. Für die Gefahrenbeurteilung sind die Angaben im Sicherheitsdatenblatt maßgebend.

Frostschutzmittel 160114*/15 werden als Konzentrat vermarktet, dessen Grundstoff (Glykole) als gesundheitsschädlich einzustufen ist. Dies trifft auch auf die gebräuchlichen Mischungen mit Wasser zu, die Konzentrationen von >= 25 % aufweisen. Für die Gefahrenbeurteilung sind die Angaben im Sicherheitsdatenblatt maßgebend.

Halogenierte Kohlenwasserstoffe treten bei Altfahrzeugteilen nicht auf. Eine Ausnahme bilden die bis ca. 1986 in Kondensatoren verwendeten Polychlorierten Biphenyle PCB.

Mineralische Schadstoffe

Bremsbeläge 160111*/12 enthielten bis 1992 Asbestfasern mit einem Anteil von bis zu 40 % und sind als krebserzeugend einzustufen. Eine Gefährdung ist bei den nach 1992 hergestellten Bremsbelägen nicht mehr gegeben.

Explosivstoffe

Explosivstoffe sind in Air-Bags und Gurtstraffern enthalten, die unter die Abfallart Explosive Bestandteile 160110* fallen. Bis 1995 wurde Natriumazid (NaN3) mit Kaliumnitrat (KNO3) verwendet. Neben der möglichen Gefährdung durch die explosive Wirkung sind diese Treibstoffe als akut toxisch, oxidierend und gewässergefährdend eingestuft. Inzwischen werden ungiftige, azidfreie Rezepturen eingesetzt.

Sonstige Schadstoffe

Ruß ist in den unter sonstige Baustoffe 160121*/22 fallenden Rußpartikelfiltern enthalten. Ruß aus unvollständiger Verbrennung ist als krebserzeugend eingestuft. Aus Vorsorgegründen gelten gebrauchte Rußfilter aus Dieselfahrzeugen daher als gefährlicher Abfall. Für die Einstufung besteht derzeit, analog zu den Katalysatoren für Otto-Motoren, noch keine allgemein gültige Regelung.

 

Gefährliche Eigenschaften

Gefährliche Abfälle sind in der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet. Von ihnen wird angenommen, dass sie mindestens eine gefahrenrelevante Eigenschaft nach Anhang III der EU-Abfallrahmenrichtlinie (2008/98/EG) besitzen. Einige Abfallarten sind aufgegliedert in gefährliche (*) und in nicht gefährliche Abfälle (sogenannte Spiegeleinträge), bei denen die Einstufung als "gefährlich" vom Gehalt gefährlicher Stoffe abhängig gemacht wird.

Die Regelungen für den Abfallbereich beruhen u. a. auf den Rechtsvorschriften der CLP-Verordnung (1272/2008/EG) und gelten seit dem 01.06.2015 im europäischen Recht. Im deutschen Abfallrecht ist die Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfall-Verzeichnisverordnung - AVV) durch die Verordnung zur Umsetzung der novellierten abfallrechtlichen Gefährlichkeitskriterien geändert worden (siehe hierzu die Rubrik - Aktuelles zur AVV).

In der folgenden Tabelle wird aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht die vollständige Stoffeinstufung dargestellt, die bei Bedarf in Stoffdatenbanken (z. B. Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis der ECHA (EU), GESTIS (DE), GisChem (DE), GSBL (DE) oder IGS (NW), verlinkt im Quellenverzeichnis nachgesehen werden kann.
Schadstoffe Gehalte / Konzentrationen Erläuterungen
Altreifen 160103
Keine Freisetzung schädlicher Stoffe bei normaler Handhabung und Lagerung; potenzielle Brandgefahr mit Freisetzung schädlicher Gase
Altfahrzeuge 160104*
Öle, Kraftstoffe, Brems- und Kühlflüssigkeiten, säurehaltige Bleibatterien, Katalysatoren oder Russfilter Freisetzung schädlicher Stoffe bei unsachgemäßer Handhabung und Lagerung möglich; Gefahr der Untergrund- und Wasserverunreinigung
Ölfilter 160107*
Mineralöl Ca. 20 - 35 % Als gewässergefährdend (Zurodnung zu einer WGK) eingestuft
Abrieb, Schmutz Ca. 10 - 20 % Neben den metallischen und mineralischen Bestandteilen liegt ein hoher Ölanteil vor; Einstufung als gewässergefährdend (Zuordnung zu einer WGK)
Quecksilberhaltige Bestandteile 160108*
Quecksilber in Mikroschaltern Ca. 0,8 Gramm pro Schalter Quecksilber ist als akut toxisch und gewässergefährdend eingestuft; Verwendung in Kfz nur bis ca. 1995 (herstellerabhängig)
Quecksilber in Leuchtmitteln Spuren Quecksilber ist als akut toxisch und gewässergefährdend eingestuft
PCB-haltige Bestandteile 160109*
Polychlorierte Biphenyle PCB ist als gesundheitsschädlich und gewässergefährdend eingestuft
Explosive Bestandteile 160110*
Natriumazid, Kaliumnitrat Ausgelöste Air-Bags stellen keine Gefahr dar; Natriumazid ist als akut toxisch und gewässergefährdend eingestuft; Kaliumnitrat ist oxidierend; bei Lagerung und Transport ist das Sprengstoffgesetz zu beachten
Asbesthaltige Bremsbeläge 160111*
Asbest Ca. 10 - 15 % Asbest wurde nur bis 1992 angewandt; Asbestfasern können Krebs erzeugen
Bremsbeläge 160112
Flammschutzmittel Spuren Das in Flammschutzmitteln häufig verwendete Antimontrioxid kann beim Einatmen vermutlich Krebs erzeugen.
Bremsflüssigkeit 160113*
Polyglycole Polyglycole sind als wassergefährdend (Zuordnung zu einer WGK) und reizend oder gesundheitsschädlich eingestuft
Frostschutzmittel 160114*/15
Organische Stoffe wie Glykol, Glyzerin Ca. 30 - 70 % Die häufig verwendeten Glykole sind als reizend oder gesundheitsschädlich und gewässergefährdend (Zurodnung zu einer WGK) eingestuft; Glyzerin ist schwach wassergefährdend (WGK I)
Flüssiggasbehälter 160116
Restgase, in der Regel Liquid Petrol Gas (LPG), ein Gemisch aus Butan und Propan Butan und Propan sind als extrem entzündbar eingestuft
Gefährliche Bauteile 160121*
Ruß in Rußfiltern Für Ruß aus unvollständiger Verbrennung liegen Anhaltspunkte einer krebserregenden Wirkung vor

 

Auswertungen aus der Abfallanalysendatenbank ABANDA

In der folgenden Tabelle sind Links zur Abfallanalysendatenbank ABANDA angegeben, mit deren Hilfe Sie Informationen zur chemischen Zusammensetzung der Abfälle erhalten. Zu jeder Abfallart ist in der Tabelle die Anzahl der vorhandenen Analysen angegeben. (Bei weniger als 10 Analysen sind keine sinnvollen statistischen Auswertungen möglich und es wird deshalb nicht nach ABANDA verlinkt).
Abfallarten Anzahl der
Analysen
160103  Altreifen 13   Analytik
160107* Ölfilter 7
160111* asbesthaltige Bremsbeläge 1
160113* Bremsflüssigkeiten 22   Analytik
160114* Frostschutzmittel, die gefährliche Stoffe enthalten 60   Analytik

 

Einstufung von Abfällen in gefährliche bzw. nicht gefährliche Abfälle

Die Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) enthält 842 Abfallarten, davon sind 408 als gefährlich eingestuft und mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet. Allerdings wird nur ein Teil dieser Abfallarten als absolut gefährlich eingestuft. Bei 180 dieser gefährlichen Abfallarten kann alternativ auch eine als nicht gefährlich gekennzeichnete Abfallart ausgewählt werden, wobei dann von so genannten Spiegeleinträgen gesprochen wird.

Ein Abfall aus einem Spiegeleintrag wird im Abfallverzeichnis als gefährlich eingestuft, wenn dieser Abfall relevante gefährliche Stoffe enthält, aufgrund derer er eine oder mehrere der in Anhang III der Richtlinie 2008/98/EG aufgeführten gefahrenrelevanten Eigenschaften HP1 bis HP8 oder HP10 bis HP15 aufweist. Das Vorliegen der gefahrenrelevanten Eigenschaft HP9 wird angenommen, wenn Abfälle mit gefährlichen Erregern behaftet sind.

Sonderregelungen zu persistenten organischen Schadstoffen (POP (gemäß Verordnung (EG) Nr. 850/2004 (POP-Verordnung)) können ebenfalls zu einer Einstufung als gefährlicher Abfall führen (siehe "Aktuelles zur AVV")

Bis zu einer einheitlichen EU- oder bundesrechtlichen Regelung werden die in verschiedenen Bundesländern gültigen Vollzugshilfen zur Abfalleinstufung den neuen Gegebenheiten angepasst. Im Grundsatz ist allen Vollzugshilfen folgende Vorgehensweise zur Zuordnung gemeinsam:
  1. nach chemikalienrechtlicher Einstufung der im Abfall enthaltenen Stoffe oder Gemische,
  2. nach Erfahrungen aus der abfallwirtschaftlichen Praxis oder
  3. nach Ergebnissen analytischer Untersuchungen.
Die Aussagen aller in der Bundesrepublik Deutschland angewendeten Vollzugshilfen werden im Folgenden für die betreffenden Spiegeleinträge dieses Abfallsteckbriefs als Übersicht zusammengestellt. Einzelheiten zu den verschiedenen Regelungen können jeweils dort nachgesehen werden (siehe Quellenverzeichnis).
LR - Länderspezifische Regelungen
  Analytik
  Praxiserfahrung
NW - Nordrhein-Westfalen
  Hazard-Check

 

 

Glossar
  PCBpolychlorierte Biphenyle, Stoffgruppe mit 209 Verbindungen, die früher u. a. in Trafo-, Wärmeträger- und Hydraulikölen sowie Weichmachern enthalten waren, unterfallen der POP-Verordnung, da sie chronisch toxisch, bioakkumulierbar und persistent sind
  HIDhigh intensity discharge, Hochdruck-Gasentladungslampen, wie z. B. Quecksilberdampf- oder Natriumdampf-Hochdrucklampen und Halogen-Metalldampflampen
  GlykolKurzbezeichnung der Verbindung Ethylenglykol; auch Stoffgruppe der zweiwertigen Alkohole (Diole), die sich vom Ethylenglykol ableitet, deren Derivate, wie Glykolether und Glykolester, u. a. in Frostschutzmitteln verwendet werden
  Antimontrioxidweißes, kristallines Pulver, das in der Emaille- und Galvanikindustrie sowie in Flammschutzmitteln eingesetzt wird
  Polyglycolvon Glycolen abgeleitete Syntheseprodukte (z. B. Polyethylenglycol) für viele technische (z. B. als synthetische Schmierstoffe) und pharmazeutische Verwendungen
  CLPClassification, Labelling and Packaging (Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung)
  CLP-VerordnungVerordnung (EG) Nr. 1272/2008 des europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen, zur Änderung und Aufhebung der Richtlinien 67/548/EWG und 1999/45/EG und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006
  StoffrichtlinieRichtlinie 67/548/EWG des Rates über die Einstufung, Verpackung und Kennzeichung gefährlicher Stoffe
  WGKWassergefährdungsklasse; Potential von Stoffen und Gemischen, die Eigenschaft von Wasser nachteilig zu ändern; gemäß AwSV: nicht wassergefährdend (nwg), allgemein wassergefährdend, WGK 1 = schwach wassergefährdend, WGK 2 = deutlich wassergefährdend, WGK 3 = stark wassergefährdend

 

Quellenverzeichnis
  EU - Europäische Union
  DE - Bundesrepublik Deutschland
  BW - Baden-Württemberg
  BY - Bayern
  BE - Berlin
  BB - Brandenburg
  HB - Bremen
  HE - Hessen
  NI - Niedersachsen
  NW - Nordrhein-Westfalen
  RP - Rheinland-Pfalz
  SL - Saarland
  SN - Sachsen
  TH - Thüringen

 


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