IPA > Abfallsteckbrief > 1605 Gase in Druckbehältern und gebrauchte Chemikalien - Chemikalien, Stand 19.10.2010

Sammlung und Entsorgung

 

 

Innerbetriebliche Sammlung und Bereitstellung

Minimierung

Schon bei der Beschaffung von Chemikalien und Laborchemikalien sollte darauf geachtet werden, dass Stoffe, die problematisch zu entsorgen sind, in möglichst geringer Menge verwendet werden.

Sammlung und Bereitstellung

Die einzelnen Abfallarten sind grundsätzlich abfallartenspezifisch getrennt zu halten und zu deklarieren, um eine sachgerechte und ordnungsgemäße Verwertung bzw. Beseitigung zu ermöglichen.

Flüssige chemische gefährliche Abfälle können in speziellen Kunststoffgebinden gesammelt werden. Die Gebinde sollten bis max. 4/5 des gesamten Fassungsvermögens befüllt und dicht verschraubt werden, um ein Auslaufen der Flüssigkeiten beim Transport zu verhindern.

Es gelten besondere Regelungen für Chlor- bzw. Fluorchlor-Kohlenwasserstoffhaltige, flüssige Abfälle. Nach den gesetzlichen Bestimmungen gelten für halogenhaltige Lösemittelabfälle besonders strenge Regelungen.
So sollten:
  • Derartige Abfallstoffe weitgehend vermieden werden (gegebenenfalls Ersatzstoffe verwenden).
  • Wo dies möglich ist, Sortenbegrenzungen eingeführt werden.
  • Diese Sorten in getrennten Behältern sortenrein abgegeben werden.

Die Klassifizierung, Verpackung, Kennzeichnung und Beschriftung der Chemikalienabfälle erfolgt in der Regel durch den Entsorger nach Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB) sowie nach Europäische Übereinkommen über die Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR).

Gebrauchte anorganische Laborchemikalien mit Abfallschlüssel 160507* sind nach fest und flüssig getrennt zu sammeln. Die zu entsorgenden Laborchemikalien sind beispielsweise nach folgender Einteilung in verschiedene Sammelbehälter zu sortieren:
  • entzündbare feste Stoffe, z.B. Schwefel, roter Phosphor,
  • selbstentzündliche Stoffe, z.B. weißer/gelber Phosphor, Phosphide, Dithionite,
  • Stoffe, die in Berührung mit Wasser entzündliche Gase bilden, z.B. Alkali- und Erdalkalimetalle sowie Carbide und Hydride davon, Natriumamid,
  • oxidierend wirkende Stoffe, z.B. Wasserstoffperoxidlösungen mit mehr als 60 % Wasserstoffperoxid, Chlorate, Perchlorate, Ammoniumnitrat, andere Nitrate,
  • giftige Stoffe, z.B. anorganische Cyanide, Schwermetallverbindungen u.ä.,
  • ätzende Stoffe - Laugen und Laugengemische, z.B. Natronlauge, Hydroxide u.ä.,
  • ätzende Stoffe - Säuren und Säurengemische, z.B. anorganische Säuren, Brom u.ä.,
  • quecksilberhaltige Verbindungen,
  • brom- und jodhaltige Verbindungen.

Gebrauchte organische Laborchemikalien mit Abfallschlüssel 160508* sind nach fest und flüssig getrennt zu sammeln. Die zu entsorgenden Laborchemikalien sind beispielsweise nach folgender Einteilung in verschiedene Sammelbehälter zu sortieren:
  • entzündbare flüssige Stoffe, wie z.B. Alkohole, Ester, Ether u.ä.,
  • entzündbare feste Stoffe, wie z.B. Alkoholate, wasserfeuchte Explosivstoffe (z.B. Pikrate, Dinitrophenol u.a.),
  • selbstentzündliche Stoffe, wie z.B. metallorganische Verbindungen,
  • Stoffe, die in Berührung mit Wasser entzündliche Gase bilden, wie z.B. metallorganische Verbindungen,
  • giftige Stoffe, wie z.B. Nitrile, Isocyanate, Aniline u.ä.,
  • ätzende Stoffe, wie z.B. Carbonsäuren, organische Säurehalogenide, Amine, Silane u.ä.

 

Hinweis
Abfalltransport
Sammler und Beförderer gefährlicher Abfälle benötigen eine Beförderungserlaubnis nach § 54 KrWG. Zuständig ist die Behörde des Landes, in dem der Antragsteller seinen Hauptsitz hat. Ausgenommen hiervon sind öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger und für die erlaubnispflichtige Tätigkeit zertifizierte Entsorgungsfachbetriebe im Sinne § 56 KrWG. Weitere Ausnahmen von der Erlaubnispflicht sind in § 12 Abs. 1 der Anzeige- und Erlaubnisverordnung (AbfAEV) oder sondergesetzlich geregelt (BattG, ElektroG). Diesen Ausnahmen unterliegende Sammler und Beförderer bedürfen keiner Beförderungserlaubnis. Sie haben ihre Tätigkeit jedoch nach § 53 KrWG der zuständigen Behörde vor Aufnahme anzuzeigen.

Sammler und Beförderer von nicht gefährlichen Abfällen müssen grundsätzlich ihre Tätigkeit nach § 53 KrWG der zuständigen Behörde anzeigen. Sammler und Beförderer von Abfällen, die im Rahmen wirtschaftlicher Unternehmungen tätig sind, unterliegen nicht der Anzeigepflicht, wenn sie nicht gewöhnlich und nicht regelmäßig sammeln oder befördern. Dies ist anzunehmen, wenn sie in Summe je Kalenderjahr bis zu 20 t nicht gefährlicher Abfälle oder bis zu 2 t gefährlicher Abfälle transportieren (§ 7 Abs. 9 AbfAEV). Öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger, die im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben Abfälle sammeln oder befördern, benötigen für diese Tätigkeiten keine Anzeige und keine Kennzeichnung (A-Schild). Sammler und Beförderer von Abfällen haben Fahrzeuge gemäß § 55 KrWG mit einem A-Schild zu versehen, außer wenn sie im Rahmen wirtschaftlicher Unternehmen Abfälle sammeln oder befördern.

 

Abfallbewirtschaftung

Verwertung

Chemikalienreste, die sich noch in Originalgebinden befinden, sollten nicht umgefüllt werden. Sie können in den Originalgefäßen zur Entsorgung bereitgestellt oder ggf. an den Lieferanten zurückgegeben werden.

Gebrauchsfähige, saubere Laborchemikalien können, sofern eine Nachfrage besteht, in hausinterne oder externe Wertstoffbörsen aufgenommen werden.

Beseitigung

Die Beseitigung der Abfälle setzt voraus, dass eine Verwertung nachgewiesenermaßen nicht möglich oder nicht zumutbar ist.

Hinweise zur sachgerechten Beseitigung sind insbesondere den Angaben des entsprechenden Sicherheitsdatenblatts und des Entsorgers zu entnehmen. Für die Ablagerung auf Deponien sind die Zuordnungskriterien und Ablagerungshinweise der Deponieverordnung, die länderspezifischen Regelungen sowie die anlagenspezifischen Genehmigungswerte zu beachten.

 

Zusammenfassung der Entsorgungsmöglichkeiten

Verwertung Beseitigung
160506* Laborchemikalien, die aus gefährlichen Stoffen bestehen oder solche enthalten, einschließlich Gemische von Laborchemikalien
Gebrauchsfähige, saubere Laborchemikalien können in Wertstoffbörsen aufgenommen werden. Abhängig von der Art und den Eigenschaften der Chemikalien (ggf. im Sicherheitsdatenblatt prüfen), z.B.
  • thermische Beseitigung, Verbrennung in HMV oder SAV, z.B. Emulsionen und Öle,
  • je nach Zusammensetzung Behandlung in CPB, z.B. Säuren, Laugen,
  • Deponierung DK III/ DK IV, z.B. quecksilberhaltige Chemikaliengemische.
160507* gebrauchte anorganische Chemikalien, die aus gefährlichen Stoffen bestehen oder solche enthalten
Gebrauchsfähige, saubere Laborchemikalien können in Wertstoffbörsen aufgenommen werden. Abhängig von der Art und den Eigenschaften der Chemikalien (ggf. im Sicherheitsdatenblatt prüfen), z.B.
  • thermische Beseitigung, Verbrennung in HMV oder SAV, z.B. Emulsionen und Öle,
  • je nach Zusammensetzung Behandlung in CPB, z.B. Säuren, Laugen,
  • Deponierung DK III/ DK IV, z.B. quecksilberhaltige Chemikalien.
160508* gebrauchte organische Chemikalien, die aus gefährlichen Stoffen bestehen oder solche enthalten
Gebrauchsfähige, saubere Laborchemikalien können in Wertstoffbörsen aufgenommen werden. Abhängig von der Art und den Eigenschaften der Chemikalien (ggf. im Sicherheitsdatenblatt prüfen), z.B.
  • thermische Beseitigung, Verbrennung in HMV oder SAV, z.B. Emulsionen und Öle,
  • je nach Zusammensetzung Behandlung in CPB, z.B. Säuren, Laugen,
  • Deponierung DK III/ DK IV, z.B. quecksilberhaltige Chemikalien.
160509 gebrauchte Chemikalien mit Ausnahme derjenigen, die unter 16 05 06, 16 05 07 oder 16 05 08 fallen
Gebrauchsfähige, saubere Laborchemikalien können in Wertstoffbörsen aufgenommen werden. Abhängig von der Art und den Eigenschaften der Chemikalien (ggf. im Sicherheitsdatenblatt prüfen),
  • z.B. Thermische Beseitigung in HMV

 

Hinweis
Nachweispflichten
Folgende Nachweispflichten bestehen:
  • Für Erzeuger, Besitzer, Sammler, Beförderer und Entsorger von gefährlichen Abfällen bestehen nach § 50 KrWG in Verbindung mit der Nachweisverordnung Pflichten zur Nachweisführung über die ordnungsgemäße Abfallentsorgung innerhalb Deutschlands. Des Weiteren gelten Registerpflichten nach § 49 KrWG.
  • Die EG-Verordnung Nr. 1013/2006 (Verordnung über die Verbringung von Abfällen - VVA) ist bei einer grenzüberschreitenden Verbringung von Abfällen anzuwenden. Je nach Abfallart, betroffenen Staaten und Entsorgungsverfahren können danach Notifizierungsverfahren erforderlich werden, die Nachweispflichten beinhalten.
  • Aufgrund der POP-Abfall-ÜberwV unterliegen auch die dort genannten nicht gefährlichen Abfälle Nachweis- und Registerpflichten gemäß §§ 4 und 5 POP-Abfall-ÜberwV.
Überlassungspflichten
Allgemeine Überlassungspflichten für Abfälle zur Beseitigung sind nach § 17 Abs. 1 KrWG geregelt. Die kommunalen Abfallsatzungen sind dabei zu beachten.

Andienungspflichten
Spezielle landesrechtliche Überlassungs- und Andienungspflichten im Sinne von § 17 Abs. 4 KrWG:
  • Für gefährliche Abfälle zur Beseitigung haben einige Länder Andienungs- bzw Überlassungspflichten an die hierfür zuständige Landesgesellschaft bestimmt (BW, BY, BE, BB, HH, NI, RP, SH).
  • Für gefährliche Abfälle zur Verwertung gilt dies in einigen Ländern ebenfalls (RP).
Die angedienten Abfälle werden von der jeweiligen Landesgesellschaft einer geeigneten Abfallentsorgungsanlage zugewiesen. Weitere Informationen sind bei den jeweiligen Landesgesellschaften zu erhalten (zur Übersicht: siehe Informationsangebot der Arbeitsgemeinschaft der Sonderabfall-Entsorgungsgesellschaften der Länder im Quellenverzeichnis).

Angaben des statistischen Bundesamtes zum Abfallaufkommen

Jährlich befragt das Statistische Bundesamt Betreiber von zulassungsbedürftigen Abfallentsorgungsanlagen nach Art, Herkunft und Verbleib der behandelten Abfälle und veröffentlicht die Daten in einem Bericht zur Abfallentsorgung (siehe Quellenverzeichnis).

Die folgenden Auswertungen stellen das Aufkommen der an Entsorgungsanlagen angelieferten Abfälle dar. Es ist anzumerken, dass teilweise aufgrund der statistischen Geheimhaltung die unter "Gesamt" aufgeführte Menge nicht genau der Summe der bei den verschiedenen Entsorgungsanlagentypen angegebenen Mengen entspricht.

 

 

Glossar
  CPBchemisch-physikalische Behandlungsanlage
  DK IIIDeponie der Kasse III, oberirdische Deponie für Abfälle, die die Zuordnungskriterien der Deponieverordnung für die Deponieklasse III einhalten
  DK IVDeponie der Klasse IV, Untertagedeponie für (gefährliche) Abfälle
  SAVVerbrennungsanlage für gefährliche Abfälle (Sonderabfallverbrennungsanlage)

 

Quellenverzeichnis
  EU - Europäische Union
  DE - Bundesrepublik Deutschland
  BY - Bayern
  NI - Niedersachsen

 


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